Kunst Macht Seele

Wieviel Sinn macht Kunst heutzutage noch?

Kreativität und Kunst ist in der Bedürfnispyramide nicht vorgesehen, und der Tenor lautet oft: ‘Kunst ist Luxus’. Kunst kann mensch nicht essen, und braucht mensch auch nicht wirklich. Ich wiederspreche dem – die Tatsache dass Kinder automatisch kreativ tätig sind, dass Menschen in persönlichen Krisenzeiten auf Kunst(therapie) zurückgreifen, dass Kunst als effektives Heilmittel funktioniert und unser alltäglich Leben ohne die kreativen Künste einfach nicht lebenswert wäre spricht für sich selbst. Ebenso dass ohne Kreativität kein menschliches Existieren möglich wäre, lustigerweise auch nicht in wirtschaftlicher Hinsicht.

Ja, ich rede von Kreativität und Kunst synonym.

Nicht, weil es das Gleiche ist. Kreativität ist m.M.n. ein Akt ohne intellektuelle Absicht, inherent und unabdingbar für menschliches Leben schlechthin. Ein Geburtsrecht und natürlicher Drang – wir Menschen dürsten danach, unsere Umwelt ästhetisch zu gestalten, unser Leben frei zu gestalten, zu malen, tanzen, singen, uns fortzupflanzen oder andere Spuren in der Welt zu hinterlassen.

Kunst ist der absichtliche Akt von kreativer Schöpfung, mal mehr mit Intention, mal mehr mit Intuition. Alles aber hat den gleichen Ursprung und das gleiche Schicksal: Sträfliche Vernachlässigung und Verbannung in die Hobby-Ecke.
Nur wenn mensch oder Wirtschaft es dann braucht soll es auf Kommando funktionieren. So ähnlich wird das auch mit Menschen und Menschlichkeit gehandhabt – hier funktioniert das dann auch nur mehr bedingt, wie uns die täglichen Nachrichten (die man alle nicht für bare Goldmünze nehmen sollte) tatsächlich einreden wollen.

Natürlich kann mensch Kunst (meistens) nicht essen.

In der klassichen Bedürfnispyramide will mensch erstmal seine physiologischen Grundbedürfnisse gesichert wissen. Dann kommt das Bedürfnis nach Sicherheit, anhand dessen wir so gekonnt manipuliert werden. Weiters, wenn das bisher soweit geklärt scheint (operatives Wort hier) dann wollen wir Menschen scheinbar unser Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit erfüllt wissen – stimmt ja wirklich. Wenns dann oben auf der Pyramide langsam eng wird, aber die Basis soweit stimmt, dann erst kommen langsam die Bedürfnisse nach Respekt und Anerkennung zur Geltung. Die Krönung der Spitze, oder die Kirsche auf der Torte nimmt dann endlich Kunst ein, umschrieben als Selbst-Verwirklichung.

Dass unsere Basis happert und es vielen schon an der Befriedigung (und dem Grundrecht) von Dach, Nahrung und Sicherheit fehlt ist tragisch. Darunter leidet die Seele, aber diese leidet ebenso unter einem Mangel an Farbe, kreativem Ausdruck und Natur.

Abgesehen davon ist eine Pyriamde ein so trügerisches wie fehlerhaftes Bild, als wäre ein Element wichtiger und scharf abgrenzbar von einem anderen Bedrüfnisbereich. Es geht schließlich um die Seele, und selbiger ist alles gleichzeitig und fluktuierend wichtig, je nach Situation und Verhältnis: Die Seele leidet unter einem Mangel aus Liebe mindestens so stark wie unter dem Mangel an Sicherheit, Freiheit und Nahrung. Das eine kostet uns vieleicht schneller unser physisches Leben, da der Körper nur eine gewisse Menge an Schaden ertragen kann. Doch selbst wenn der Körper lebt sind die unsichtbaren Schäden eines Mangels sowohl auf individueller Ebene wie auf gesellschaftlicher fatal. Wir sterben dann oft nur langsamer und uns ist dabei die Möglichkeit der Selbstlüge und Selbsttäuschung leichter gemacht.

Die schier unglaubliche Menge an Menschen mit einer Sucht-, Narzissmus-, Depression- oder Aggressions und Einsamkeitsproblem ist endlos, gepaart mit den körperlichen Konsequenzen dieser unglaublichen Seelenschmerzen. Wir alle wissen es, aber die mainstream Gehirnwäsche will uns immer noch in Sicherheit wiegen: “Uns geht’s ja so gut. Wir machen nur uns und unseren Planeten kaputt. Ups.”

Weitergedacht… kann mensch Kunst vielleicht doch essen.

Kunst füttert nämlich die Seele. Sehen wir Menschen als Seelen in menschlichen Hüllen (fact), dann macht es Sinn dass wir natürlich in erster Linie den Körper, aber folglich ebenso die Seele nähren müssen.

Erstmal darf dieses zeitsensible Geschenk von einem Körper geschätzt und laufend gewartet werden, einfach weil es der Seele sonst schwer fällt ihr höchstes Potential in diesem Leben zu entfalten. Die Seele wird in ihrer Ausdruckskraft geschwächt wenn der Körper oder der Geist schwach sind. Dann sieht man so Gesellschaften wie … äh, ja wie die industriellen und ach so zivilisierten Gesellschaften in denen wir leben. Keine Seele bleibt hier unbeschadet, das ist eigentlich ein Armutszeugnis.

 

Kunst bemächtigt die Seele, belebt sie und ist ihr Ausdrucksmittel

Kunst kommt immer aus der Seele, auch wenn diese – oder gerade besonders wenn diese – Schaden genommen oder Hunger gelitten hat. Kunst ist Geschmackssache und Meinungsmache, unbestritten. Unbestritten ist aber auch, dass Kunst und kreativer Ausdruck immer ein direkter Ausdruck der Seele ist. Unabhängig von Technik oder Übung-die-die-Meisterin-macht. Kreativität und Seele hängen zusammen, befruchten sich und beleben sich gegenseitig.

Kunst ist also kein Luxus, sondern Notwendigkeit – ausser wir bezeichnen unsere Seele ebenso als Luxus.

Schamanische indigene Traditionen reden davon dass wir alle (wir = die industrialisierte, weiße Welt) unterliegen eine Trance, wir trippen und sind uns der Illusion nicht bewußt. Wir zerstören was gut und lebendig ist, in uns und folglich um uns herum, und wundern uns noch warum es mit uns und unserer Welt bergab geht.

Eigentlich wollte ich ja ein Plädoyer für Kunst schreiben

aber es fällt mir schwer weil es mir so selbsterklärend und selbtverständlich erscheint. Kreativer Ausdruck ist DER Weg zu neuen Lösungen und Wegen – in der Wirtschaft wie im Universum. Was macht es mit Menschen die keine Ausdrucksmöglichkeit für ihre seelischen Zustände und Bewegungen haben? Warum ist der erste Griff zu Therapie, Kunst oder Sport? (Naja, oder zu weniger gesunden Ersatzsubstanzen und -handlungen, aber dass das oft auch der Anfang vom Ende ist wissen wir auch.)

Natürlich muss ich noch eine Lanze brechen für all die anderen notwendig(er)en Grundbedürfnisse, von denen keines vernachlässigt werden darf. Aber mensch tut was er kann und meistens kann er eben Kunst, auch wenn sonst nicht viel geht. Natürlich muss ich noch eine Lanze brechen für all die anderen notwendig(er)en Grundbedürfnisse, von denen keines vernachlässigt werden darf. Und wenn ein Rädchen gedreht wird, drehn sich die anderen zinkenvoll mit.

Kreativer Ausdruck hingegen rettet Leben ohne schlechte Nebenwirkungen – nur Gutes kommt davon wenn die Seele eine Möglichkeit des unzensierten Audrucks erhält. Die Kunst, welchen Sinn sie auch immer bedient, ist nicht nur Luxus – nicht wenn wir lebendig sein und bleiben wollen.